Kreditkartenzahlung per Unterschrift
Veröffentlicht von Oliver Polenz in Ratgeber am 2. November, 2016 um 18:02 Uhr

Ist die Bezahlung per Kreditkarte mit einer Unterschrift sicher?

Kreditkartenmissbrauch ist ein weitverbreitetes Problem. Mal werden die Kreditkartendaten gestohlen, mal die komplette Karte. Sobald auf der Kreditkartenabrechnung missbräuchliche Abbuchungen entdeckt werden, ist der Schreck groß.

Zwar werden sie in der Regel von der Bank zurückerstattet, aber dies ist mit ein wenig Aufwand verbunden. Zudem erhält der Kunde aus Sicherheitsgründen eine neue Kreditkarte. Um einen Missbrauch zu vermeiden, sind Kreditkarten mit einigen Sicherheitsmechanismen versehen. Der bekannteste unter ihnen ist die Unterschrift. Doch wie sicher ist die Bezahlung mit Kreditkarte, wenn eine Unterschrift erfolgen muss? Hier sind die Antworten rund um dieses Thema!

 

Wann benötige ich die die PIN für meine Kreditkarte
und wann muss ich eine Unterschrift leisten?

Um mit der Kreditkarte eine Rechnung zu begleichen, ist teilweise keine PIN erforderlich. Der Kunde legt die Karte vor, sie wird durch das Kartenlesegerät gezogen oder in den Chipleser gesteckt. Danach druckt das Gerät einen Beleg für die Unterlagen des Kunden und eine Zahlungsermächtigung für den Händler aus. Diese wird vom Kunden unterschrieben. Dabei kommt das POS-Verfahren oder das Electronic-Cash-System zum Einsatz.

Durch die Eingabe der PIN überprüft das Gerät die Echtheit der Karte und die Einhaltung des Verfügungsrahmens. Ist die Autorisierung positiv, erfolgt die Zahlung quasi via Lastschrifteinzugsverfahren, wodurch der Händler eine Zahlungsgarantie hat.

Die PIN, die der Kunde für seine Kreditkarte erhält, nutzt er beispielsweise beim Beziehen von Bargeld am Automaten. Immer häufiger wird er auch an Verkaufsstellen danach gefragt. Dies hängt zumeist von dem Kartenherausgeber ab.

Bei dem POZ-Verfahren erfolgt die Bezahlung per Unterschrift. Diese Unterschrift ist das Einverständnis zur Einzugsermächtigung. Dies ist allerdings keine Zahlungsgarantie für den Händler, da er bei diesem Verfahren nicht erfährt, ob das Konto tatsächlich gedeckt ist. In Deutschland ist das POZ-Verfahren seit 2006 ausgelaufen. Trotzdem kann oft noch nur mit Leistung der Unterschrift bezahlt werden, da es das sogenannte elektronische Lastschriftverfahren gibt.

Hin und wieder kommt es auch vor, dass vom Kunden Unterschrift und PIN verlangt werden. Dies erscheint lästig, aber punktet natürlich mit einer erhöhten Sicherheit für den Kunden, die Bank sowie den Händler. Die vielen unterschiedlichen Regelungen führen bei allen Parteien teilweise zur Verwirrung. Es ist daher für den Kunden umso wichtiger, sich seine PIN gut zu merken.

 

Vergleicht das Verkaufspersonal oder der Kellner wirklich die beiden Unterschriften miteinander?

Die Unterschrift auf dem Beleg muss mit der Unterschrift auf der Kreditkarte übereinstimmen. Teilweise verlangen einige Händler sogar zusätzlich einen Ausweis bei Kreditkartenzahlung. Die Realität zeigt jedoch, dass das Verkaufspersonal und die Kellner oft nur sehr schlampig die Unterschrift mit der Kreditkarte vergleichen. Aus diesem Grund ist es Trickdieben immer wieder möglich, mit fremden Kreditkarten einkaufen zu gehen.

Wer den Selbsttest machen möchte, sollte auf dem Beleg einmal mit einem anderen Namen unterschreiben oder einem Freund für einen Testkauf die eigene Kreditkarte geben. So erschreckend die Erkenntnisse aus dem Selbsttest auch sein werden, für den Kunden ist das Risiko begrenzt: Dank der großzügigen Stornomöglichkeiten entsteht in der Regel kein nennenswerter finanzieller Schaden.

 

Im Internet leiste ich keine Unterschrift: Welche Sicherheitsmechanismen gibt es beim Online—Shopping?

Obgleich es technisch möglich ist, im Internet eine Unterschrift zu leisten, verfügen nur wenige Händler und Kunden über die Option. Aus diesem Grund greifen die Onlinehändler auf andere Sicherheitsmechanismen zurück, wenn es um die Kreditkartenzahlung geht. Zumeist erfragen sie die Sicherheitsprüfnummer, die auf der Kartenrückseite steht. Noch sicherer sind selbstverständlich Verfahren wie Verifizierungssysteme über mTAN oder 3DSecure.

 

Tipps für den Umgang mit der Kreditkarte

Jeder Kunde kann selbst dafür sorgen, dass die Chancen auf einen Kartenmissbrauch minimiert werden. Auszuschließen ist dieser allerdings nie.

  • bei Erhalt der Kreditkarte sie sofort auf der Rückseite unterschreiben
  • PIN-Nummer und Kreditkarte nie zusammen aufbewahren
  • bei Bezahlung mit PIN das Eingabefeld mit der Hand abdecken
  • Kassierer und Kellner mit der Kreditkarte nie alleine lassen und sie stets beobachten
  • bei Kreditkartenzahlung auf die Umgebung achten und Notfalls beistehende Personen auf die Wahrung von Diskretion aufmerksam machen
  • Geldautomaten und Türöffner hinsichtlich etwaiger Manipulationen prüfen
  • regelmäßig die Kreditkartenabbuchungen überprüfen und einen Missbrauch umgehend melden sowie Karte sperren

 

Kreditkartenzahlung mit Unterschrift: neue Verfahren für eine verbesserte Sicherheit

Eine Kreditkartenzahlung nur mit Unterschrift ist immer noch möglich. Aufgrund der hohen Zahlen beim Kreditkartenmissbrauch, wird sich jedoch vieles ändern.

Die PIN-Nummer ist nur eine Variante. Auf dem Vormarsch sind biometrische Verfahren, die das Gesicht oder den Fingerabdruck scannen. Forscher arbeiten zudem daran, die Unterschrift zum biometrischen Merkmal zu machen. So könnte der Kunde wie gewohnt unterschreiben, aber die Unterschrift würde mittels ausgeklügelter Verfahren besser überprüft werden.

Warum so viele Händler an den elektronischen Signaturen hängen, obgleich sie keine Zahlungsgarantie geben, ist einfach erklärt: Das elektronischen Lastschrift-Verfahren (ELV) ist wesentlich billiger. Sobald sich ein Kunde mit PIN ausweist, erhalten die Banken einen Anteil am bezahlten Betrag.


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