Kreditkarten Indien Regierung
Veröffentlicht von Oliver Polenz in News am 5. August, 2018 um 9:05 Uhr - Foto: Thinkstock / HYWARDS

Mastercard, Amex und Visa in Diskussion mit indischer Regierung über den Datenspeicherort

Im April 2018 hatte die Reserve Bank of India (RBI) entschieden, dass jegliche Zahlungsdaten binnen von sechs Monaten nur im Land für einen “ungehinderten Aufsichtszugang” gespeichert werden dürften. Dies hat die globalen Firmen stark verärgert, da sie befürchteten, Kosten von mehreren Millionen US-Dollar kämen auf sie zu.

Die Regierung hat in Absprache mit der RBI – der Zentralbank von Indien – vereinbart, dass ausländische Finanzunternehmen doch Kopien von Kundendaten in Indien aufbewahren können, während sie ihre Offshore-Speicher beibehalten würden. Mit dieser Entscheidung soll eine Auseinandersetzung mit Mastercard, Visa und American Express über die Lokalisierung solcher Informationen geschickt umgangen werden.

Die Entscheidung steht noch nicht fest

Während einige Brancheninsider die Maßnahme bereits als gesichert erachten, verneinen dies andere. Ein Sekretär der indischen Wirtschaftsabteilung gab bekannt, dass die Aufbewahrung von Datenkopien im Land eine mögliche Lösung wäre, die im Rahmen eines Treffens mit den Führungskräften der Finanzdienstleister diskutiert worden wäre.

Gegenüber der internationalen Nachrichtenagentur Reuters sagte der Sekretär: “Eine der Optionen, die bei diesem Treffen erwähnt worden war, waren Spiegelkopien.” Zudem fügte er an, dass die Reserve Bank of India eine endgültige Entscheidung zu diesem Thema verkünden müsse.

Der Sekretär gab zu bedenken, dass bei der Speicherung von Spiegelbildern der Daten alle Kundeninformationen den lokalen Behörden zur Verfügung stehen würden.

Grund für die Richtlinie

Es gibt einen Grund für die RBI-Richtlinie. Immer mehr Menschen in Indien verwenden anstelle von Bargeld Kreditkarten. Der Markt mit dem Plastikgeld ist längst nicht ausgeschöpft, weswegen er für Großunternehmen wie American Express, Mastercard und Visa ein hohes Potenzial bietet.

Die Tendenz, vermehrt die Kreditkarte zu nutzen, liegt unter anderem an dem Premierminister Narendra Modi. Modi hatte im November 2016 entschieden, die hoch dotierten Banknoten in Indien abzuschaffen, da die Regierung verstärkt Bargeldtransaktionen vermeiden möchte.

Dies scheint ihr zu gelingen: Im März betrug in Indien das Transaktionsvolumen mit den 900 Millionen Kredit- und Debitkarten 52 Milliarden US-Dollar. Dies ist doppelt so hoch wie im November des Jahres 2016. Leider geht diese Entwicklung mit einem zunehmenden Kartenbetrug einher, für den künftig biometrische Überprüfungen die Lösung sein könnten. Umso bedeutsamer sei daher die richtige Datensicherung.

Auf der Suche nach einem Konsens

Der Sekretär der Wirtschaftsabteilung betonte, dass die indische Regierung um einen Konsens bezüglich der Datenlokalisierung bemüht sei. Es wäre wichtig zu entscheiden, wie die Unternehmen die Daten ihrer Kunden global handhaben würden.

Verschiedene Interessengruppen würden gehört werden, um unterschiedliche Meinungen zusammenzutragen. Bisher tendiere die Regierung zu den Spiegelkopien.

Der Hintergrund

Im Rahmen eines Treffens der indischen Regierung mit Vertretern der Finanzdienstleister bemerkte ein Vertreter der amerikanischen Lobbygruppe US-India Business Council (USIBC), dass die Speicherung der Daten ausschließlich in Indien ein Sicherheitsrisiko darstellen würde.

Würde es zu einer Naturkatastrophe kommen, hätte niemand Zugriff zu den Daten, weswegen sie nicht nur an einem Ort gespeichert werden dürften.