Kreditkarten on Board verkaufen
Veröffentlicht von Oliver Polenz in News am 3. August, 2018 um 9:33 Uhr - Foto: Thinkstock / CandyBoxImages

Banken in Kooperation mit Airlines: Flugbegleiter als Vermittler von Kreditkartenverträgen

In Flugzeugen kann heute umfangreich eingekauft werden. Ob Zigaretten, Parfüm oder Bikini: Zahlreiche Artikel sind erhältlich. Es war vielleicht daher nur eine Frage der Zeit, bis dieses Sortiment noch erweitert werden würde.

Große US-Fluggesellschaften wie United und American Airlines bieten über ihre Flugbegleiter nun Kreditkartenverträge für Co-Branded-Karten an. Eine smarte Idee ist dies, denn immerhin haben Fluggäste viel Zeit zum Nachdenken und zum Ausfüllen von Verträgen.

Eine umstrittene Idee

United hat beschlossen, ab dem 1. September 2018 auf nationalen und internationalen Flügen Kreditkartenverträge für ihre United Explorer Karte anzubieten. Obligatorisch werden dafür die Flugbegleiter ausgebildet. Sie erhalten eine Provisionszahlung von 100 US-Dollar, pro abgeschlossenen Vertrag.

American Airlines hingegen stellt es seinen Flugbegleitern frei, ob sie nun auch noch Kreditkartenverträge verkaufen möchten oder nicht. Überzeugt sei man jedoch von der Idee, da Kreditkarten von Fluggesellschaften die Loyalität zum Unternehmen stärken und auf Interesse bei Passagieren stoßen könnten.

Branchenexperten gehen davon aus, dass nicht alle Fluggäste mit dieser Maßnahme begeistert sein werden. Zum einen müssen sie bei Desinteresse Verkaufsgespräche abwehren und zum anderen könnten Flugbegleiter stärker die Ruhe an Bord stören sowie die Gänge versperren.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Praxis diesbezüglich gestalten wird.

Zugriff auf ein breites Publikum

Aus ökonomischer Sicht ist es kein Geheimnis, warum sich Fluggesellschaften für diese zumeist schwerfällige Verkaufstaktik engagieren: Kreditkarten sind ein großes Geschäft, weswegen inzwischen einige Airlines in Kooperation mit Banken welche hinausgeben.

Verkaufsgespräche an Bord sind eine hervorragende Möglichkeit, ein breites Publikum zu erreichen. Die Passagiere haben für gewöhnlich während des Fluges nicht viel zu tun, weshalb der ein oder andere dankbar für jede Ablenkung ist.

In Ruhe können sich Verkaufsbroschüren angeschaut werden. Großartig Zeit zum Nachdenken bleibt hingegen nicht. Das Argument “ich muss noch darüber schlafen” entfällt.

Ein zweischneidiges Schwert

Selbst einige Marketingexperten der betreffenden Airlines sehen diese neue Verkaufsaktion als bedenklich an. Es könnte passieren, dass insbesondere Vielflieger sich von diesen Verkaufsgesprächen immens gestört fühlen. Immerhin sind sie es, die viel Geld für Flüge ausgeben und häufig eine höhere Flugklasse wählen.

Sie möchten sich auf der Reise von einem Ort zum anderen entspannen und keine langweiligen, sich oft wiederholenden Werbefloskeln hören.

Eine geeignete Zielgruppe sind sie oft auch nicht, da bei ihnen zumeist hinreichend Kreditkarten für Reisen im Portemonnaie stecken. Zudem verfügen sie über Bonusprogramme mit einschlägigen Airlines, die teilweise ebenfalls eine Kreditkartenfunktion aufweisen.

Deutsche Airlines planen derzeit nichts ähnliches

Deutsche Airlines haben Vergleichbares derzeit nicht geplant, obgleich beispielsweise die Lufthansa Miles & More Blue Credit Card oder Lufthansa Miles & More Gold Credit Card erhältlich ist. Während auf den Flügen mit keinen Verkaufsgesprächen zu rechnen ist, kann der Passagier aber durchaus am Flughafen von Vertretern der Kreditkartenunternehmen angesprochen werden.

Gelegentlich führen sie Marketingkampagnen durch, um gezielt nach neuen Kunden zu suchen, die gerade auf ihren nächsten Flug warten. So ist zum Beispiel ein Barclaycard Stand am Flughafen in Düsseldorf direkt im Eingangsbereich positioniert, um für die Barclaycard Visa zu werben.