Visa Kreditkarte Supermarkt USA
Veröffentlicht von Oliver Polenz in News am 1. August, 2018 um 11:17 Uhr - Foto: Thinkstock / Ridofranz

Visa im Streit mit Großkunden wegen Gebühren von Kreditkarten

Gerade hatte Visa eine hervorragende Performance bezüglich seines Aktienkurses hingelegt, da kommt eine negative Top-Nachricht aus Kalifornien raus: Zentral- und Nordkalifornische Niederlassungen des Supermarktriesen Kroger akzeptieren in ihren Lebensmittelfilialen keine Visakarten mehr.

Diese Maßnahme erfolgt, da sich die beiden Unternehmen über Gebühren und Preise streiten. Ab dem 14. August ist eine Zahlung mit Visa in den Kroger-Food-Geschäften nicht mehr möglich, was auch bedeutende Großstädte wie Sacramento und San Francisco betrifft. Visa gab bekannt, mit Kroger an einer Lösung zu arbeiten.

Verärgert über die Kosten

Ein Firmensprecher von Kroger ließ verlauten, dass die Kosten von Visa für das Unternehmen höher als von jeder anderen Kreditkartenmarke sind. Sie möchten dies nicht mehr länger hinnehmen, da sich diese hohen Gebühren nicht mit den preiswerten Lebensmittelangeboten für die Kunden vereinbaren lassen.

Mitte August tritt das Visa-Kreditkartenverbot daher in Kraft, welches 21 Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen im westlichen Küstenstaat der USA betrifft. Weiterhin können die Kunden ihre Einkäufe jedoch mit Visa Debitkarten, American Express, Discover Kreditkarten und Mastercard erledigen.

Visa ist über die Entscheidung der Kroger-Filialen verstört. Der Finanzdienstleister gab bekannt, dass er über diese Maßnahme enttäuscht ist. Auf diese Weise würde niemand gewinnen. Der Kunde würde eine Möglichkeit verlieren, seine Einkäufe zu bezahlen.

Zudem fügt ein Pressesprecher von Visa an, es wäre ihr Ziel die Interessen ihrer Karteninhaber zu bewahren. Sie sollen ihre Kreditkarte überall dort einsetzen können, wo sie einkaufen möchten. Aus diesem Grund sieht sich der Kreditkartenkonzern in der Pflicht, mit Kroger eine vernünftige Lösung zu erarbeiten.

Aktienkurs reagierte prompt

Der Aktienkurs reagierte auf diese Meldung sofort. Um drei Prozentpunkte fiel die Visa-Aktie, während die Kroger-Aktie leicht anstieg. Der Streit zwischen den beiden Großunternehmen ist nur der letzte Vorfall in einer Reihe von unzähligen Schlachten über viele Milliarden Dollar, die Händler jedes Jahr in Swipe-Gebühren bezahlen.

Anfang des Jahres hatte sich der Supreme Court mit einem Fall bezüglich American Express auseinandergesetzt. Der Kreditkartenkonzern wollte eine Regel aufstellen, dass Händler keine Aktionen und Rabatte mit konkurrierenden Karten anbieten dürften, die eine geringere Gebühr verlangen.

Der Supreme Court entschied, dass dies kein Verstoß gegen das Bundeskartellgesetz wäre. Das Justizministerium verklagte Amex sowie seine Mitbewerber Mastercard und Visa: Händler hätten keine Verhandlungsmacht, wenn es darum gehen würde, Zahlungsdienstleistungen zu nutzen.

Ein dem Supreme Court untergestelltes Gericht hatte zuvor entschieden, dass die »Anti-Steering«-Regeln von Amex den Wettbewerb ersticken würden.

Es bleibt spannend

Verbraucher, Einzelhändler und Finanzdienstleister beobachten mit Spannung, wie es zu einer Einigung zwischen Visa und Kroger kommen wird. Das Kreditkartenunternehmen wird um eine baldige Lösung bestrebt sein, denn immerhin ist Kroger in den USA die größte Supermarktkette überhaupt. Sie ist bereits 1883 gegründet worden und ist in 34 Staaten der USA aktiv.