Einkaufen im Netz wird aufwendiger
Veröffentlicht von Oliver Polenz in News am 3. Oktober, 2017 um 15:57 Uhr

Bringen Online-Riesen wie Amazon die reguläre Kreditkarte zu Fall?

Finanzexperte halten es nicht für ausgeschlossen, dass der Versandhausriese Amazon zusammen mit anderen Onlinehändlern den langsamen Tod der regulären Kreditkarte einläuten könnte. Dies liegt an einer neuen EU-Richtlinie, die Finanzinstitute in naher Zukunft stark unter Druck setzen könnte. Sie offeriert neue Möglichkeiten, im Internet Rechnungen zu begleichen.

Der Beginn eines möglichen Endes der Kreditkarte

Die Nachricht hat wie eine Bombe eingeschlagen: Der Online-Konzern Amazon könnte schon bald dafür sorgen, dass die reguläre Kreditkarte in näherer Zukunft erheblich an Bedeutung verliert. Im Januar 2018 tritt die neue europäische Richtlinie PSD2 in Kraft, die einige Änderungen auf dem Finanzmarkt mit sich bringen wird.

Branchenexperten prognostizieren sogar, dass diese neuen Entwicklungen die bisherigen Kreditkarten in nur wenigen Jahren überflüssig machen könnten.

Onlinegeschäft für Kreditkarteninstitute und Banken bricht weg

Einen erheblichen Teil ihres Umsatzes machen Kreditkarteninstitute sowie Banken im Bereich des Online-Einzelhandels. Während im stationären Handel die Maestrokarte und das Bargeld dominieren, bezahlen die europäischen Kunden im Internet immer öfter ihre Rechnungen mit Kreditkarte. Ob Amazon, Apple, Streaming-Angebot wie Netflix oder der Kleiderkauf beim Bekleidungsgiganten: Die Kreditkartenummer wird immer häufiger eingetippt, woran Kreditkartenunternehmen mitverdienen.

Doch mit der Neuregelung ab Januar 2017 sind die großen Onlinehändler nicht mehr auf die Banken angewiesen, um ihre Transaktionen sicher und zuverlässig abzuwickeln. Und genau dies setzt die Banken nun unter einem immensen Druck, denn durch diese Entwicklung könnte die Kreditkarte an Bedeutung verlieren.

Ab dem neuen Jahr werden die großen Onlinehändler und Internet-Dienstleister ihren Kunden eine eigenständige PSD2-kompatible Zahlungsmöglichkeit offerieren können. Die hinterlegten Kreditkartendaten werden damit durch eine PSD2-Autorisierung für das Bankkonto des Kunden ersetzt.

Gute Gründe für ein eigenes Zahlungssystem

Doch warum setzen die großen Onlinehändler wie Amazon auf diese neue Zahlungsmöglichkeit? Dafür gibt es aus Sicht der Internetunternehmen gleich mehrere gute Gründe. Durch diese Zahlungsweise erhalten sie weitere Informationen über Ihre Kunden.

Sie können nun ihre Bonität besser einschätzen und erfahren, wo die Konsumvorlieben des Nutzers liegen. Dadurch lässt sich das Marketing entscheidend optimieren. Doch dies ist längst nicht alles. Den Zahlungsverkehr können die Onlinehändler auf diese besser kontrollieren.

Zudem entfallen die hohen Kreditkartengebühren, die sie an die Banken zahlen müssen. Nicht zu unterschätzen ist außerdem der strategische Vorteil: Die Onlinehändler befreien sich so von den großen Zahlungsdiensten. Aufgrund dieser vielen guten Gründe sind Branchenexperten davon überzeugt, dass Online-Riesen wie Amazon ab Januar kommenden Jahres innerhalb Europas mit eigenen PSD2-basierten Zahlungsdiensten auftrumpfen werden.

Kreditkarten könnten sich irgendwann nicht mehr rechnen

Sollten tatsächlich die Prognosen der Branchenexperten im kommenden Jahr eintreten, wäre dies ein großer Angriff auf die bedeutendste Einnahmequelle der Kreditkarteninstitute. Ihre bequeme Zahlungsabwicklung würde obsolet werden. Wenn sich ein Großteil der Kunden für die neuen Zahlungsdienste der Online-Dienstleister entscheiden wird, könnten die Kreditkarteninstitute aufgrund der nun fehlenden Einnahmen ihre Kreditkartenangebote nicht mehr halten. Die Margen wären wegen des verringerten Transaktionsvolumens so gering, dass sie dies kaum über einen längeren Zeitraum durchhalten könnten. Dieser immense Bedeutungsverlust der Kreditkarte würde letztlich ihren Tod einläuten. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt tatsächlich entwickeln wird.


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