Hand inserting ATM credit card into bank machine
Veröffentlicht von Oliver Polenz in Ratgeber am 8. Juni, 2017 um 8:54 Uhr

Direktbankkunden verärgert: Nutzung der Visa-Kreditkarte an Bankautomaten eingeschränkt

Jahrelang warben die Direktbanken damit, dass mit ihren Visa-Kreditkarten an so gut wie jedem Bankautomaten Geld abgehoben werden könne. Doch dem ist nicht mehr so. Mit der Visa-Kreditkarte von der VW-Bank, Comdirect, Santander sowie von anderen Direktbanken kann nicht mehr flächendeckend in Deutschland Bargeld am Automaten bezogen werden. Einige Sparkassen und Volksbanken verwehren so den Direktbank-Kunden, ihre kostenintensive Geldautomateninfrastruktur gebührenfrei zu nutzen.

Eingeschränkte Kreditkarten: So sieht die Lage aus

Die Bargeldversorgung wird in Deutschland im Allgemeinen zunehmend eingeschränkt. Dadurch sparen die Banken viel Geld ein, denn ein Zahlen mit dem Plastikgeld ist für sie kostensparender. Zudem besteht so ein besserer Kontroll- und Analysemechanismus.

Insbesondere die jüngeren Konsumenten haben sich bereits an die Kartenzahlung gewöhnt und setzen nur noch in Ausnahmefällen Bargeld ein. Ganz gleich, ob der Nichte ein bisschen Geld zusteckt werden soll oder es mit ein paar Euros auf dem Markt gehen soll, manchmal sind Münzen und Scheine unerlässlich. Wer ein Konto bei einer Direktbank hat und eine Visa-Kreditkarte besitzt, konnte lange Zeit an nahezu jedem Geldautomaten in Deutschland Bargeld abheben. Dies hat sich inzwischen geändert.

Sparkassen und Volksbanken, die selbst keine Visa-Karten herausgeben, sind nicht dazu verpflichtet Visa-Kunden an ihren Automaten Bargeld zur Verfügung zu stellen. Deshalb funktionieren diese Kreditkarten vereinzelt an den Bankautomaten nicht mehr. Teilweise ist es jedoch möglich, den Automaten in der Bank direkt zu nutzen oder zum Schalter zu gehen. Dadurch sind die Visa-Direktbankkunden jedoch abhängig von den Öffnungszeiten der Bank. Andere Bankinstitute ermöglichen zwar den Fremdbankkunden am Automaten Bargeldabhebungen, aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. Der einstige so griffige Werbeslogan „Visa, die Freiheit nehme ich mir“, greift somit nur noch bedingt.

Sind die Banken nicht zu einer Bargeldverfügung für Fremdkunden verpflichtet?

Die Lage könnte so einfach sein, wenn es kein Wenn und Aber gäbe. 2011 fiel ein BGH-Urteil. Dieses besagt, das Banken rechtlich dazu verpflichtet sind, Kunden von Fremdinstituten Bargeld zur Verfügung zu stellen. Hierbei ist jedoch nicht vermerkt worden, auf welche Weise dies geschehen muss.

Ein Schlupfloch war schnell gefunden: Einige Banken argumentieren, sie ermöglichen einen Bezug von Bargeld für Kunden von Fremdinstituten, aber dies via girocard und nicht mit der Visa-Karte. Nutzt ein Direktbankkunde seine Girokarte, werden hohe Gebühren fällig, die oft pro Abhebung bei vier Euro liegen. Sollte die jeweilige Direktbank im Sparkassen-Verbund oder im CashPool sein, hat der Kunde Glück. Die Gebühren entfallen.

Lohnt es sich noch, eine Visa-Kreditkarte bei Direktbanken zu beziehen?

Die kurze Antwort lautet: Ja, es lohnt sich noch. Die Konditionen und Gebühren der Angebote der Direktbanken sind häufig erheblich besser als die von den Sparkassen und Volksbanken. Die Anzahl an Bankautomaten, die durch das veränderte Geschäftsgebaren einiger Banken keine Visa-Karte mehr annehmen, hat sich nur geringfügig reduziert.

Außerdem lässt sich mithilfe der folgenden Tipps, das Problem generell umgehen:

  • Zur Visa-Direktbankkreditkarte wird eine zweite kostenfreie Kreditkarte wie beispielsweise die Barclaycard New Visa beantragt. Um eine teure Kostenfalle zu meiden, sollte sich die monatliche Tilgung auf 100 % belaufen.
  • Es wird ein Direktbank-Angebot gewählt, bei dem eine leistungsstarke girocard inkludiert ist. Zum 1822direkt-Girokonto-Angebot gehört beispielsweise eine Sparkassen-EC-Karte.
  • Zur Visa-Direktbankkreditkarte wird eine Mastercard-Kreditkarte bestellt. Sollte mit der Visa-Karte kein Bargeld am Automaten erhältlich sein, kann fix die Mastercard-Kreditkarte aus dem Portemonnaie gezogen werden.

 

Kreditkarten-Anbieter auf einen Blick

 

Fazit: ärgerlich aber nicht verheerend

Dass sich ein Kunde mit Visa-Kreditkarte von einer Direktbank nicht mehr darauf verlassen kann, dass er an einem Geldautomaten mit Visa-Zeichen tatsächlich Bargeld erhält, ist ärgerlich.

Mit dem Problem lässt sich jedoch geschickt umgehen, indem im Portemonnaie eine kleine Auswahl an Plastikgeld steckt. Dies sollte in jedem Fall eine Selbstverständlichkeit sein, um stets eine Ersatzkarte griffbereit zu haben. Beachtenswert ist ferner, dass es insbesondere in größeren Städten hinreichend Bankautomaten gibt, an denen Kunden mit Visa-Kreditkarten von Direktbanken weiterhin Bargeld beziehen können.


Bildnachweis: Thinkstock / Thatpichai


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